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Batterie-IndustriespeicherJuli 2026·5 Min Lesen

Natrium-Ionen-Gewerbespeicher: Die Lithium-Alternative wird 2025/26 serienreif

Mehrere Hersteller bringen 2025 und 2026 fertige Natrium-Ionen-Gewerbespeicher auf den deutschen Markt. Die Technik gilt als brandsicher und kältefest – schlägt Lithium aber noch nicht überall. Wir ordnen ein, was die Zellen leisten und für welche Betriebe sich der Umstieg rechnet.

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Von Andreas Müller
Energieberater · Geprüft am 11. Juli 2026

Serienreif 2025/26: vier Gewerbespeicher mit Natrium-Ionen-Zellen

Jahrelang war Natrium-Ionen eine Labortechnologie. 2025 und 2026 ändert sich das: Gleich mehrere Hersteller liefern fertige Gewerbespeicher aus. Den Auftakt machte Biwatt im Mai 2025 mit dem PowerLake I2, einem All-in-One-System mit 155 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität, bei dem Speicher und Wechselrichter in einem gemeinsamen Schrank sitzen (Quelle: pv magazine, Mai 2025).

Salzstrom aus Wien stellte im Februar 2026 den kompakten SALT 110 vor – 100 kVA Leistung, bis zu 110 Kilowattstunden nutzbar, mit Natrium-Eisenphosphat-Zellen und Flüssigkühlung. Die ersten Anlagen sollten laut Hersteller ab Anfang März 2026 bei Kunden in Deutschland und Österreich installiert werden. Für größere Lasten kündigte Salzstrom zudem eine Container-Linie mit 2,3 Megawattstunden je Einheit an; im Juni 2026 meldete das Unternehmen einen Auftrag über drei solcher Natrium-Eisenphosphat-Speicher mit zusammen rund sieben Megawattstunden aus Deutschland.

Parallel drängen weitere Anbieter nach Europa: Freen aus Estland bietet seit September 2025 skalierbare Hoch- und Niedervolt-Speicher, deren Hochvolt-Variante sich mit bis zu zehn Modulen auf rund 100,8 Kilowattstunden ausbauen lässt. Der australische Anbieter Power Cap startete ebenfalls im September 2025 in Deutschland, Italien und Spanien mit modularen Systemen von 53,76 bis 115,20 Kilowattstunden. MySmartEnergy baut und verkauft keine dieser Systeme, sondern vergleicht sie anbieterneutral für Ihren Betrieb.

Natrium-Eisenphosphat: warum kein Thermal Runaway droht

Der zentrale Verkaufsgrund der neuen Speicher ist die Chemie. Die meisten Serienprodukte nutzen Natrium-Eisenphosphat (NFPP), eine Kathode aus Natrium, Eisen und Phosphor – ganz ohne Lithium und Kobalt. Diese Materialien sind weit verfügbar und geografisch breit verteilt, was die Lieferketten entspannt.

Entscheidend für Gewerbebetriebe ist das thermische Verhalten. NFPP-Zellen gelten als thermisch sehr stabil; Hersteller wie Biwatt geben an, dass ihre Zellen keinen Thermal Runaway auslösen, also nicht von selbst in Brand geraten können. Für Standorte mit Brandlasten – Lager, Produktionshallen, Rechenzentren – ist das ein gewichtiges Argument gegenüber klassischen Lithium-Ionen-Speichern.

Fachleute mahnen dennoch zur Differenzierung. Eine im Februar 2026 im Journal of Power Sources veröffentlichte Vergleichsstudie der Newcastle University mit der polnischen Feuerwehrakademie kommt zu dem Schluss, dass sich Batteriesicherheit nicht pauschal bewerten lässt, sondern vom Einsatzszenario abhängt. Die Forscher stufen Natrium-Ionen als sinnvolle kurzfristige Verbesserung ein und weisen darauf hin, dass selbst das als sicher geltende Lithium-Eisenphosphat (LFP) unter Extrembedingungen Fluorwasserstoff freisetzen kann. Auch die Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) sieht bei der Sicherheitsbewertung noch Forschungsbedarf. Kein Thermal Runaway ist also ein realer Vorteil der Chemie, aber kein Freibrief – die Auslegung des Gesamtsystems bleibt maßgeblich.

155 kWh bei 120 bis 175 Wh/kg: wo Natrium Lithium noch nicht schlägt

Ihren größten Nachteil hat die Technik bei der Energiedichte. Natrium-Ionen-Zellen speichern derzeit rund 120 bis 175 Wattstunden pro Kilogramm, moderne Lithium-Ionen-Zellen bis zu 260 Wattstunden pro Kilogramm. Ein Natrium-Speicher ist bei gleicher Kapazität also schwerer und größer.

Der Abstand schrumpft aber schnell. CATL stellte im April 2025 die Natrium-Marke Naxtra vor und gibt für die Zellen 175 Wattstunden pro Kilogramm an – nahe an heutigem Lithium-Eisenphosphat. Die Serienfertigung von Naxtra begann laut CATL im Lauf des Jahres 2025, zunächst für Nutzfahrzeuge, die Pkw-Zellen folgten zum Jahresende.

Für stationäre Gewerbespeicher wiegt die geringere Dichte weniger schwer als im Fahrzeug: Auf dem Betriebsgelände zählt Fläche selten so wie im Auto. Wo Platz knapp ist, bleiben kompakte Systeme wie der SALT 110 mit 110 Kilowattstunden auf kleiner Stellfläche gefragt; wo er reichlich vorhanden ist, spielt die etwas voluminösere Bauweise kaum eine Rolle. Ein 155-Kilowattstunden-Block wie der PowerLake I2 deckt bereits erhebliche Lastspitzen ab. Wollen Sie maximale Kapazität auf minimaler Fläche, bleibt Lithium vorerst überlegen; für die meisten Flächenbetriebe ist der Unterschied nachrangig.

Minus 30 bis plus 55 Grad: kältefest für die Outdoor-Aufstellung

Ein handfester Praxisvorteil ist die Temperaturrobustheit. Der PowerLake I2 arbeitet laut Biwatt zwischen minus 30 und plus 55 Grad Celsius, der SALT 110 zwischen minus 25 und plus 55 Grad. Power Cap nennt für die Entladung einen Bereich von minus 40 bis plus 60 Grad, CATL für Naxtra sogar minus 40 bis plus 70 Grad.

Für Sie bedeutet das: Natrium-Ionen-Speicher lassen sich auch an kalten, ungeheizten Standorten im Freien aufstellen, ohne dass eine aufwendige Temperierung Energie frisst. Lithium-Ionen-Speicher verlieren bei Frost Kapazität und benötigen häufig eine Heizung. An einem norddeutschen Außenstandort oder in einer unbeheizten Halle kann das über die Wintermonate spürbar Wirkungsgrad und Betriebskosten sparen.

Hinzu kommt die Notstromfähigkeit. Der PowerLake I2 wechselt laut Biwatt in weniger als 20 Millisekunden in den Inselbetrieb, sodass angeschlossene Verbraucher einen Netzausfall kaum bemerken. Für Betriebe mit kritischen Prozessen – Kühlketten, Serverräume, Fertigungslinien – ist diese unterbrechungsfreie Umschaltung mindestens so wichtig wie die reine Speicherkapazität. Die breite Temperaturspanne und die schnelle Umschaltung machen die Technik damit besonders für Aufstellorte interessant, die für Lithium bislang als grenzwertig galten.

500 Euro pro Kilowattstunde: für welche Betriebe sich der Umstieg lohnt

Bei den Kosten nähert sich Natrium an. Power Cap nennt einen Einstiegspreis von rund 500 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität; allgemein gelten Natrium-Ionen-Zellen als 30 bis 40 Prozent günstiger als vergleichbare Lithium-Lösungen, weil die Rohstoffe billiger und breiter verfügbar sind.

Mindestens ebenso wichtig ist die Zyklenfestigkeit. Salzstrom gibt für den SALT 110 rund 6.000 Ladezyklen bei 95 Prozent Entladetiefe an, Power Cap sogar bis zu 10.000 Zyklen bei über 70 Prozent Restkapazität. Wer seinen Speicher täglich ein- oder mehrfach durchlädt – etwa zur Lastspitzenkappung oder zur Eigenverbrauchsoptimierung –, verteilt die Investition damit auf sehr viele Zyklen, was die Kosten je gespeicherter Kilowattstunde senkt.

Rechnen dürfte sich ein Natrium-Ionen-Gewerbespeicher vor allem für Betriebe mit kalten oder brandkritischen Aufstellorten, hoher Zyklenzahl und ausreichend Fläche – etwa Logistikzentren, Produktionshallen oder Rechenzentren. Wo maximale Kapazität auf engstem Raum gefragt ist oder das Budget kompromisslos auf höchste Energiedichte zielt, bleibt Lithium oft die bessere Wahl. Belastbare Langzeit-Felddaten fehlen zudem noch, weil viele Systeme erst 2025 und 2026 ausgeliefert wurden. Wir empfehlen daher, jedes Angebot über die Lebensdauer zu rechnen statt nur über den Anschaffungspreis.

Häufige Fragen

Was kostet ein Natrium-Ionen-Gewerbespeicher?+

Der Einstiegspreis liegt laut Anbieter Power Cap bei rund 500 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität. Über die Zellchemie sind Natrium-Systeme meist 30 bis 40 Prozent günstiger als vergleichbare Lithium-Speicher; entscheidend für Ihre Rechnung ist aber die Lebensdauer, nicht nur der Anschaffungspreis.

Können Natrium-Ionen-Speicher in Brand geraten?+

Die verbreitete Natrium-Eisenphosphat-Chemie (NFPP) gilt als thermisch sehr stabil; Hersteller wie Biwatt geben an, dass die Zellen keinen Thermal Runaway auslösen. Eine Vergleichsstudie von Februar 2026 betont jedoch, dass Batteriesicherheit vom Einsatzszenario abhängt und ganzheitlich bewertet werden muss.

Wie viele Ladezyklen halten die neuen Speicher?+

Salzstrom nennt für den SALT 110 rund 6.000 Ladezyklen bei 95 Prozent Entladetiefe, Power Cap bis zu 10.000 Zyklen bei über 70 Prozent Restkapazität. Bei täglicher Nutzung verteilt sich die Investition damit auf sehr viele Zyklen.

Sind Natrium-Ionen-Speicher für den Außenbereich geeignet?+

Ja. Je nach Modell arbeiten sie zwischen minus 25 bis minus 40 und plus 55 bis plus 70 Grad Celsius und benötigen bei Frost anders als Lithium-Speicher meist keine zusätzliche Heizung, was an kalten Standorten Betriebskosten spart.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Energieberatung im Einzelfall. Angaben ohne Gewähr — trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

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