Für Fachpartner: Marktplatz-Zugang
StartseiteMagazinRegelenergie mit Batteriespeichern: Erlöse und Anforderungen
Batterie-IndustriespeicherJuli 2025·4 Min Lesen

Regelenergie mit Batteriespeichern: Erlöse und Anforderungen

Batteriespeicher vermarkten Regelleistung in FCR, aFRR und mFRR – mit Erlösen, die 2026 stark schwanken. Dieser Beitrag fasst die technischen Präqualifikations-Anforderungen, die rechtliche Grundlage und die aktuellen Marktpreise (Stand Q1 2026) zusammen.

AM
Von Andreas Müller
Energieberater · Geprüft am 12. Juli 2026

Rechtlicher Rahmen und Marktzugang

Die Beschaffung von Regelenergie ist in § 22 Abs. 2 EnWG geregelt. Die Vorschrift verpflichtet die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) dazu, Regelenergie regelzonenübergreifend und vereinheitlicht auf einer gemeinsamen Internetplattform zu beschaffen; die Anforderungen an Anbieter sind dabei so weit wie möglich zu vereinheitlichen. Diese gemeinsame Plattform ist regelleistung.net.

Vor jeder Marktteilnahme steht die Präqualifikation: Die Teilnahme an FCR, aFRR und mFRR setzt eine technische Präqualifikation durch die ÜNB zwingend voraus. Geprüft werden unter anderem Reaktionszeiten, das Messkonzept und die Fernsteuerbarkeit. Ohne abgeschlossene Präqualifikation ist kein Gebot möglich.

FCR (Primärregelleistung): Produkt und technische Anforderungen

Bei der Frequency Containment Reserve (FCR) beträgt die Mindestangebotsgröße 1 MW. Ausgeschrieben werden 4-Stunden-Produkte, und zwar symmetrisch – es gibt keine getrennte Ausschreibung für positive und negative FCR. Die technische Kernanforderung aus der Präqualifikation: vollständige Aktivierung binnen 30 Sekunden.

Die Ausschreibung erfolgt kalendertäglich. Das Gate öffnet um 11:00 Uhr (d-7) und schließt um 8:00 Uhr (d-1). Innerhalb einer Regelzone ist ein Pooling von Geboten möglich.

Für Batteriespeicher relevant ist ein abgeschlossener BNetzA-Beschluss vom 02.05.2019: Der Mindestaktivierungszeitraum für die PRL/FCR-Präqualifikation wurde von 30 auf 15 Minuten reduziert. Batterien müssen demnach nur noch 15 Minuten am Stück positive und negative PRL liefern. Das erweitert den nutzbaren Arbeitsbereich und kann die präqualifizierbare Leistung potenziell verdoppeln.

aFRR und mFRR: Arbeitsvermögen als Engpass

Für Sekundärregelleistung (aFRR) und Minutenreserve (mFRR) ist bei Speichern das Arbeitsvermögen die entscheidende Größe. Erforderlich sind mindestens 60 Minuten Arbeitsvermögen je vermarkteter MW. Wer kombiniert positiv und negativ vermarktet, benötigt daraus abgeleitet mindestens 2 MWh pro MW. (Dieser Wert ist aus einer Sekundärquelle abgeleitet, Konfidenz mittel.)

Die aktuelle Mindestlosgröße für aFRR/mFRR liegt bei 5 MW; eine Reduzierung auf 1 MW ist geplant. Ebenfalls in Planung – also noch nicht in Kraft – ist die Umstellung von aFRR auf 15-Minuten-Produkte, voraussichtlich ab September/Oktober 2026.

Speicher-Potenzial prüfen

Welcher Regelleistungsmarkt zu Ihrem Speicher passt, richtet sich nach Präqualifikation, Leistungsbereitstellung und Vermarktungspartner.

Speicher-Potenzial prüfen →

Erlöse Q1 2026 (Marktpreise, schwankend – keine Anlageberatung)

Die folgenden Werte sind Marktpreise bzw. Marktindizes, die stark schwanken; sie sind keine garantierten Zahlen und keine Anlageberatung. Stand: Q1 2026.

FCR-Durchschnittspreis Q1 2026: ca. 8.476 EUR/MW, ein Plus von rund 8 % gegenüber Q1 2025. Bei aFRR lagen die Kapazitätspreise im Q1 2026 für positive aFRR bei ca. 6.652 EUR/MW (−27 % gegenüber Q1 2025) und für negative aFRR bei ca. 4.194 EUR/MW (−10 %).

Das Gesamt-Erlöspotenzial misst der ISEA Battery Revenue Index der RWTH Aachen (Marktindex, schwankend): Q1-2026-Durchschnitt ca. 132.000 EUR/MW/Jahr, mit einem Februar-Tiefpunkt von 95.000 EUR/MW/Jahr und einer März-Erholung auf knapp 200.000 EUR/MW/Jahr. Über das Quartal lag der Index rund 40 % unter Q1 2025.

Als neues Marktsegment ist im Januar 2026 die marktgestützte Beschaffung von Momentanreserve gestartet. Eine Beispielkalkulation (keine garantierte Zahl) nennt 805 EUR pro MWs/Jahr bei 90 % Verfügbarkeit, also rund 20.125 EUR/MW Jahreserlös.

Marktentwicklung 2026: mehr Leistung, mehr Bedarf, mehr Druck

Auf der Bedarfsseite hat ENTSO-E den FCR-Gesamtbedarf zum Jahreswechsel 2025/2026 von 3.000 MW auf 3.450 MW erhöht. Der deutsche Anteil liegt bei ca. 584 MW zuzüglich 183 MW Transferleistung. Ab 2026 erfolgt zudem ein Methodikwechsel hin zu einer probabilistischen Dimensionierung.

Auf der Angebotsseite ist die präqualifizierte FCR-Batteriespeicherleistung in Deutschland von 2025 auf 2026 um ca. 40 % auf rund 1,35 GW gestiegen; die aFRR-Batteriespeicher-Präqualifikation hat sich verdoppelt (+100 %). Als Markteinschätzung formuliert: Eine Trendwende bei den sinkenden FCR-Preisen wird nicht erwartet. Diese Prognose ist mit Unsicherheit behaftet (Konfidenz mittel).

Häufige Fragen

Wie groß muss ein Batteriespeicher für die FCR-Teilnahme mindestens sein?+

Die Mindestangebotsgröße bei FCR beträgt 1 MW. Technisch muss die volle Leistung binnen 30 Sekunden aktivierbar sein. Nach dem BNetzA-Beschluss vom 02.05.2019 müssen Batterien dabei nur noch 15 Minuten (statt zuvor 30 Minuten) am Stück positive und negative PRL liefern. Innerhalb einer Regelzone ist Pooling möglich, um die 1 MW zu erreichen.

Wie viel Arbeitsvermögen braucht ein Speicher für aFRR/mFRR?+

Erforderlich sind mindestens 60 Minuten Arbeitsvermögen je vermarkteter MW. Bei kombinierter positiver und negativer Vermarktung ergibt das mindestens 2 MWh pro MW (aus Sekundärquelle abgeleitet, Konfidenz mittel). Die Mindestlosgröße liegt aktuell bei 5 MW, eine Reduzierung auf 1 MW ist geplant.

Was lässt sich 2026 mit Regelleistung verdienen?+

Im Q1 2026 lag der FCR-Durchschnittspreis bei ca. 8.476 EUR/MW (+8 % gegenüber Q1 2025), positive aFRR bei ca. 6.652 EUR/MW, negative aFRR bei ca. 4.194 EUR/MW. Das Gesamterlöspotenzial (ISEA Battery Revenue Index) lag im Q1-2026-Schnitt bei ca. 132.000 EUR/MW/Jahr, rund 40 % unter Q1 2025. Alle Werte sind schwankende Marktpreise, keine garantierten Zahlen und keine Anlageberatung.

Was ist bei der Präqualifikation zu beachten?+

Die Präqualifikation durch die Übertragungsnetzbetreiber ist für FCR, aFRR und mFRR zwingend und erfolgt vor der Marktteilnahme über die gemeinsame Plattform regelleistung.net. Geprüft werden Reaktionszeiten, Messkonzept und Fernsteuerbarkeit. Rechtsgrundlage der vereinheitlichten Beschaffung ist § 22 Abs. 2 EnWG.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Energieberatung im Einzelfall. Angaben ohne Gewähr — trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

Weitere Artikel zum Thema

Gewerbespeicher: Energiekosten senken und Erlöse erzielen
Stromhandel mit Batteriespeichern: Arbitrage einfach erklärt
Batteriesicherheit: Was Unternehmen bei LFP, Brandschutz und Betrieb prüfen sollten
Energiemanagementsysteme: Warum der Speicher eine intelligente Steuerung braucht

Nicht nur informieren — prüfen lassen.

MySmartEnergy prüft, ob Ihr Speicher die Anforderungen für Erlöse am Regelenergiemarkt erfüllt.

Speicher-Potenzial prüfen →