Regelenergie mit Batteriespeichern: Erlöse und Anforderungen
Batteriespeicher vermarkten Regelleistung in FCR, aFRR und mFRR – mit Erlösen, die 2026 stark schwanken. Dieser Beitrag fasst die technischen Präqualifikations-Anforderungen, die rechtliche Grundlage und die aktuellen Marktpreise (Stand Q1 2026) zusammen.
Rechtlicher Rahmen und Marktzugang
Die Beschaffung von Regelenergie ist in § 22 Abs. 2 EnWG geregelt. Die Vorschrift verpflichtet die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) dazu, Regelenergie regelzonenübergreifend und vereinheitlicht auf einer gemeinsamen Internetplattform zu beschaffen; die Anforderungen an Anbieter sind dabei so weit wie möglich zu vereinheitlichen. Diese gemeinsame Plattform ist regelleistung.net.
Vor jeder Marktteilnahme steht die Präqualifikation: Die Teilnahme an FCR, aFRR und mFRR setzt eine technische Präqualifikation durch die ÜNB zwingend voraus. Geprüft werden unter anderem Reaktionszeiten, das Messkonzept und die Fernsteuerbarkeit. Ohne abgeschlossene Präqualifikation ist kein Gebot möglich.
FCR (Primärregelleistung): Produkt und technische Anforderungen
Bei der Frequency Containment Reserve (FCR) beträgt die Mindestangebotsgröße 1 MW. Ausgeschrieben werden 4-Stunden-Produkte, und zwar symmetrisch – es gibt keine getrennte Ausschreibung für positive und negative FCR. Die technische Kernanforderung aus der Präqualifikation: vollständige Aktivierung binnen 30 Sekunden.
Die Ausschreibung erfolgt kalendertäglich. Das Gate öffnet um 11:00 Uhr (d-7) und schließt um 8:00 Uhr (d-1). Innerhalb einer Regelzone ist ein Pooling von Geboten möglich.
Für Batteriespeicher relevant ist ein abgeschlossener BNetzA-Beschluss vom 02.05.2019: Der Mindestaktivierungszeitraum für die PRL/FCR-Präqualifikation wurde von 30 auf 15 Minuten reduziert. Batterien müssen demnach nur noch 15 Minuten am Stück positive und negative PRL liefern. Das erweitert den nutzbaren Arbeitsbereich und kann die präqualifizierbare Leistung potenziell verdoppeln.
aFRR und mFRR: Arbeitsvermögen als Engpass
Für Sekundärregelleistung (aFRR) und Minutenreserve (mFRR) ist bei Speichern das Arbeitsvermögen die entscheidende Größe. Erforderlich sind mindestens 60 Minuten Arbeitsvermögen je vermarkteter MW. Wer kombiniert positiv und negativ vermarktet, benötigt daraus abgeleitet mindestens 2 MWh pro MW. (Dieser Wert ist aus einer Sekundärquelle abgeleitet, Konfidenz mittel.)
Die aktuelle Mindestlosgröße für aFRR/mFRR liegt bei 5 MW; eine Reduzierung auf 1 MW ist geplant. Ebenfalls in Planung – also noch nicht in Kraft – ist die Umstellung von aFRR auf 15-Minuten-Produkte, voraussichtlich ab September/Oktober 2026.
Welcher Regelleistungsmarkt zu Ihrem Speicher passt, richtet sich nach Präqualifikation, Leistungsbereitstellung und Vermarktungspartner.
Erlöse Q1 2026 (Marktpreise, schwankend – keine Anlageberatung)
Die folgenden Werte sind Marktpreise bzw. Marktindizes, die stark schwanken; sie sind keine garantierten Zahlen und keine Anlageberatung. Stand: Q1 2026.
FCR-Durchschnittspreis Q1 2026: ca. 8.476 EUR/MW, ein Plus von rund 8 % gegenüber Q1 2025. Bei aFRR lagen die Kapazitätspreise im Q1 2026 für positive aFRR bei ca. 6.652 EUR/MW (−27 % gegenüber Q1 2025) und für negative aFRR bei ca. 4.194 EUR/MW (−10 %).
Das Gesamt-Erlöspotenzial misst der ISEA Battery Revenue Index der RWTH Aachen (Marktindex, schwankend): Q1-2026-Durchschnitt ca. 132.000 EUR/MW/Jahr, mit einem Februar-Tiefpunkt von 95.000 EUR/MW/Jahr und einer März-Erholung auf knapp 200.000 EUR/MW/Jahr. Über das Quartal lag der Index rund 40 % unter Q1 2025.
Als neues Marktsegment ist im Januar 2026 die marktgestützte Beschaffung von Momentanreserve gestartet. Eine Beispielkalkulation (keine garantierte Zahl) nennt 805 EUR pro MWs/Jahr bei 90 % Verfügbarkeit, also rund 20.125 EUR/MW Jahreserlös.
Marktentwicklung 2026: mehr Leistung, mehr Bedarf, mehr Druck
Auf der Bedarfsseite hat ENTSO-E den FCR-Gesamtbedarf zum Jahreswechsel 2025/2026 von 3.000 MW auf 3.450 MW erhöht. Der deutsche Anteil liegt bei ca. 584 MW zuzüglich 183 MW Transferleistung. Ab 2026 erfolgt zudem ein Methodikwechsel hin zu einer probabilistischen Dimensionierung.
Auf der Angebotsseite ist die präqualifizierte FCR-Batteriespeicherleistung in Deutschland von 2025 auf 2026 um ca. 40 % auf rund 1,35 GW gestiegen; die aFRR-Batteriespeicher-Präqualifikation hat sich verdoppelt (+100 %). Als Markteinschätzung formuliert: Eine Trendwende bei den sinkenden FCR-Preisen wird nicht erwartet. Diese Prognose ist mit Unsicherheit behaftet (Konfidenz mittel).
Häufige Fragen
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Energieberatung im Einzelfall. Angaben ohne Gewähr — trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.
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