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RepoweringSeptember 2025·6 Min Lesen

Recycling und Zweitmarkt: Was mit alten PV-Modulen beim Repowering passiert

Beim Repowering tauschen Betreiber funktionsfähige Module gegen leistungsstärkere aus — die Altmodule landen entweder im Zweitmarkt oder im Recycling. Dieser Beitrag ordnet Rechtspflichten, Quoten, Marktpreise und Kosten anhand der aktuellen Faktenlage ein.

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Von Andreas Müller
Energieberater · Geprüft am 12. Juli 2026

Rechtsrahmen: Wer für die Entsorgung haftet

PV-Module fallen seit dem 24.10.2015 unter das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), das die EU-WEEE-Richtlinie 2012/19/EU national umsetzt. Eingeordnet sind die Module derzeit in WEEE-Kategorie 4 (Großgeräte mit Außenabmessung über 50 cm). Eine eigene PV-Kategorie ist aus dieser Kategorie 4 geplant, aber noch nicht in Kraft.

Hersteller und Importeure sind gesetzlich verpflichtet, die Finanzierung von Rücknahme und Recycling zu tragen. Für Betreiber bedeutet das: Die Abgabe alter Module an zertifizierten Sammelstellen — etwa kommunalen Wertstoffhöfen oder über Rücknahmesysteme wie PV Cycle oder Take-e-way — ist in der Regel kostenlos. Nicht abgedeckt sind jedoch Demontage und Transport; diese trägt der Betreiber selbst.

Zum Gesetzesstand: Die jüngste ElektroG-Novelle (ElektroG4) wurde laut Quelle am 06.11.2025 vom Bundestag beschlossen und ist zum 01.01.2026 in Kraft getreten. Bereits zum 01.01.2025 war eine Vorgänger-Novelle mit strengeren Vorgaben für Inverkehrbringer wirksam geworden, darunter insolvenzsichere Rücklagen für Recyclingkosten. Diese Angaben zum Novellen-Stand sind in der Quelle mit mittlerer Sicherheit belegt.

Sammlung und gesetzliche Quoten — Anspruch und Realität

§ 22 ElektroG schreibt für die Kategorien 1 und 4, die PV-Module umfassen, zwei Quoten vor: eine Verwertung von mindestens 85 Prozent und eine Vorbereitung zur Wiederverwendung plus Recycling von mindestens 80 Prozent der gesammelten Masse.

Davon zu unterscheiden ist die Sammelquote. Die EU gibt als Mindestsammelquote für Elektroaltgeräte 65 Prozent des Durchschnittsgewichts der in den drei Vorjahren in Verkehr gebrachten Geräte vor. Deutschland verfehlt dieses Ziel deutlich: Je nach Bezugsjahr und Quelle liegt die Sammelquote für Elektroaltgeräte bei rund 29,5 bis 38,6 Prozent. Speziell bei PV-Altmodulen wurden in Deutschland 2022 nur etwa 5 Prozent ordnungsgemäß gesammelt. Diese Sammelzahlen sind in den Quellen mit mittlerer Sicherheit angegeben.

Die hohen gesetzlichen Verwertungsquoten greifen also nur für den Teil, der überhaupt im regulären Sammelsystem ankommt. Praktisch erreichbare Recyclingquoten je Verwerter liegen laut Hersteller- und Praxisangaben bei der Reiling-Gruppe bei etwa 80 bis 85 Prozent und bei PV Cycle bis zu 96 Prozent für siliziumbasierte Module. First Solar gewinnt bei CdTe-Dünnschichtmodulen rund 90 Prozent des Glases und 95 Prozent des Halbleitermaterials zurück.

Was im Modul steckt — und warum sich Recycling lohnt

Ein typisches kristallines Silizium-Modul mit 60 Zellen wiegt etwa 21 Kilogramm. Die Materialzusammensetzung liegt nach Praxis- und Richtwerten bei rund 70 Prozent Glas, je etwa 10 Prozent Aluminium und Polymere, 3 bis 4 Prozent Silizium, rund 1 Prozent Kupfer und unter 0,1 Prozent Silber.

Glas und Aluminium machen also den Großteil der Masse aus und sind gut rückführbar — das erklärt die hohen erreichbaren Quoten. Die wertvolleren Metalle wie Silber liegen mengenmäßig im Spurenbereich.

Das zu erwartende Abfallaufkommen wächst: Prognosen nennen bis zu 500.000 Tonnen Altmodule pro Jahr in der EU gegen Ende der 2020er-Jahre und in Deutschland bis 2050 kumuliert bis zu 4,3 Millionen Tonnen Photovoltaik-Abfall. Das sind Prognosen, keine amtlichen Ist-Zahlen.

Beim Normungsstand verweist die Faktenlage auf den Normentwurf VDE-AR-E 2042 zu Anforderungen an das Recycling kristalliner Silizium-PV-Module, mit Fokus auf der Selektierung funktionsfähiger Altmodule für die Wiederverwendung und besseren Prüfmethoden für End-of-Life-Module. Die Einspruchsfrist für den Entwurf endete am 25.12.2024 — es handelt sich also um einen Entwurf, nicht um eine geltende Norm. Leitprinzip: Abfallvermeidung und Wiederverwendung haben Vorrang vor stofflicher und energetischer Verwertung.

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Ob sich ausgebaute Module über den Zweitmarkt verwerten oder fachgerecht recyceln lassen, klärt eine Prüfung von Zustand und Leistung.

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Zweitmarkt: Wann sich Wiederverwendung statt Recycling rechnet

Beim Repowering werden alte Module oft schon vor dem technischen Lebensende — typisch sind 25 bis 30 Jahre — gegen leistungsstärkere ersetzt, um die Leistung zu steigern. Damit stellt sich für intakte Altmodule die Frage Zweitmarkt oder Recycling.

Nach Erfahrung des Anbieters 2ndlifesolar, der über zwei Jahre rund 70.000 Module elektrisch geprüft hat, bleiben 50 bis 70 Prozent der geprüften Module für Second-Hand-Anwendungen nutzbar. Das ist eine Marktangabe, keine amtliche Zahl. Module mit Defekten wie Glaskorrosion, Zellrissen und Hotspots, Marderbiss, Delamination oder Feuchtigkeitseintritt müssen ins Recycling statt in die Wiederverwendung.

Zur Wirtschaftlichkeit (Marktangaben, schwankend, Stand der jeweiligen Quelle, keine Anlageberatung): Der Wattpreis gebrauchter Module liegt je nach Qualität rund 40 bis 60 Prozent unter dem eines Neumoduls. Demontage, Transport und Prüfung kosten etwa 20 Cent pro Wattpeak. Da Neumodule beim Großeinkauf zuletzt auf 20 bis 22 ct/Wp gefallen waren, ist das Gebrauchtmodul-Geschäft teils wenig lukrativ. Entsprechend verlassen laut einer Secondsol-Schätzung mehr als 750.000 gebrauchte Module pro Jahr Europa Richtung Osteuropa und Afrika.

Die Neuware-Preise haben zuletzt angezogen: Der pvXchange-Modulpreis-Index lag im Mai 2026 für High-Efficiency-Module bei rund 0,150 EUR/Wp, nach 0,115 EUR/Wp im Januar 2026 — ein Anstieg von etwa 30 Prozent in fünf Monaten; zwischen März und April 2026 stiegen die Durchschnittspreise um 5,5 Prozent (Marktindex, schwankend). Als Preistreiber gilt unter anderem der Wegfall der chinesischen Mehrwertsteuer-Exporterstattung zum 01.04.2026, der chinesische Module für den EU-Markt um rund 9 Prozent verteuerte — diese Einordnung ist in der Quelle nur mit niedriger Sicherheit belegt.

Kostenkalkulation für Betreiber beim Modultausch

Die Demontage und Entsorgung trägt der Betreiber, nicht der Hersteller. Praxis-Schätzungen für eine typische Dach-Anlage auf einem Einfamilienhaus nennen Demontagekosten von etwa 500 bis 1.500 Euro, abhängig von Größe, Dachneigung und Zugänglichkeit.

Dem stehen Restwerte gegenüber: Für eine 30 Jahre alte 8-kWp-Anlage werden rund 550 Euro Schrottwert angesetzt — etwa 400 Euro für die Module und rund 150 Euro für das Montagesystem als Aluschrott. Daraus ergeben sich nach diesen Schätzungen Netto-Kosten am Lebensende von etwa 450 Euro.

Zur Vorausfinanzierung des Recyclings: Die Herstellerverantwortung kalkuliert laut Branchenangabe über 240 Monate (20 Jahre) und rund 200 Euro pro Tonne für Entsorgung und Recycling der Altmodule. Für Gewerbeanlagen werden Rückbau- und Entsorgungskosten teils mit etwa 180 bis 210 Euro pro Tonne beziehungsweise 100 bis 300 Euro pro kWp genannt. Diese Kostenangaben sind Markt- und Branchenwerte, schwankend, in den Quellen mit niedriger Sicherheit belegt — also als Größenordnung zu verstehen, nicht als feste Kalkulationsbasis.

Häufige Fragen

Was kostet die Demontage alter PV-Module beim Repowering?+

Für eine typische Dach-Anlage auf einem Einfamilienhaus werden nach Praxis-Schätzungen etwa 500 bis 1.500 Euro für die fachgerechte Demontage genannt, abhängig von Größe, Dachneigung und Zugänglichkeit. Bei einer 30 Jahre alten 8-kWp-Anlage steht dem ein Restwert von rund 550 Euro gegenüber, sodass sich Netto-Endkosten von etwa 450 Euro ergeben. Demontage und Transport sind nicht durch die Herstellerverantwortung abgedeckt.

Welche Recyclingquote schreibt das Gesetz für PV-Module vor?+

§ 22 ElektroG verlangt für die Kategorien 1 und 4, die PV-Module umfassen, eine Verwertung von mindestens 85 Prozent und eine Vorbereitung zur Wiederverwendung plus Recycling von mindestens 80 Prozent der gesammelten Masse. Praktisch erreichen Verwerter laut Hersteller- und Praxisangaben 80 bis 85 Prozent (Reiling) bis zu 96 Prozent (PV Cycle) bei siliziumbasierten Modulen.

Lohnt sich der Verkauf gebrauchter Module im Zweitmarkt?+

Nach einer Marktangabe von 2ndlifesolar (rund 70.000 geprüfte Module) bleiben 50 bis 70 Prozent der geprüften Module wiederverwendbar. Gebrauchte Module liegen preislich rund 40 bis 60 Prozent unter Neuware, doch Demontage, Transport und Prüfung kosten etwa 20 ct/Wp. Da Neumodule im Großeinkauf zuletzt auf 20 bis 22 ct/Wp fielen, ist das Geschäft teils wenig lukrativ. Diese Werte sind schwankende Marktangaben, keine Anlageberatung.

Muss der Betreiber für das Recycling der Altmodule zahlen?+

Hersteller und Importeure finanzieren Rücknahme und Recycling gesetzlich. Die Abgabe an zertifizierten Sammelstellen oder über Systeme wie PV Cycle oder Take-e-way ist für Betreiber in der Regel kostenlos. Nicht abgedeckt sind Demontage und Transport. In der Realität wurden 2022 in Deutschland allerdings nur etwa 5 Prozent der PV-Altmodule ordnungsgemäß gesammelt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Energieberatung im Einzelfall. Angaben ohne Gewähr — trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

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