Zehn Monate auf den Netzanschluss: Was Gewerbe beim HPC-Ausbau 2026 einplanen muss
Nicht die Ladehardware entscheidet über den Zeitplan eines Ladeparks, sondern der Netzanschluss. Laut EHI vergehen im Schnitt zehn Monate vom Antrag bis zur Inbetriebnahme. Was Gewerbebetriebe beim Mittelspannungsanschluss 2026 einplanen müssen und wie der neue BDEW-Standard die HPC-Planung erleichtert.
Zehn Monate im Schnitt: Was die EHI-Zahlen 2025 belegen
Wer einen Ladepark plant, denkt zuerst an Standort, Ladehardware und Betreibermodell. Der eigentliche Engpass liegt woanders: beim Netzanschluss. Laut dem EHI Retail Institute vergehen vom Antrag beim Netzbetreiber bis zur Inbetriebnahme im Schnitt zehn Monate. Die Spanne reicht dabei von zwei bis 36 Monaten. Für ein Gewerbeprojekt bedeutet diese Streuung ein erhebliches Planungsrisiko, das sich nur mit frühem Beginn abfedern lässt.
Die Zahlen stammen aus einem EHI-Whitepaper zur Ladeinfrastruktur im Handel. Befragt wurden 32 Handelsketten mit über 42.000 Standorten, elf Center-Betreiber mit 64 Standorten sowie sieben Ladepunktbetreiber. Als Hauptgrund für Verzögerungen nennen die Betreiber übereinstimmend Schwierigkeiten mit den Netzbetreibern. Der Anschluss ans Stromnetz ist damit nicht ein Detail am Rande, sondern der kritische Pfad jedes Vorhabens.
Der Trend verschärft die Lage: Laut EHI sind für 2026 über 4.400 neue Ladepunkte geplant, davon rund 84 Prozent als HPC-Ladepunkte. Bis 2031 sollen über 19.000 hinzukommen, davon etwa 87 Prozent HPC. Genau diese Hochleistungsklasse hängt am Mittelspannungsnetz und beansprucht die knappen Kapazitäten der Netzbetreiber besonders stark.
Für Gewerbebetriebe folgt daraus eine klare Reihenfolge: Der Netzanschluss gehört an den Anfang der Projektplanung, nicht ans Ende. MySmartEnergy begleitet die Anschlussfrage als anbieterübergreifender Berater und Vermittler, ohne selbst zu bauen, Hardware zu verkaufen oder mit Strom zu handeln.
Ab 150 kW Mittelspannung: Wie der Netzanschluss wirklich abläuft
Ein reiner AC-Wallbox-Standort lässt sich meist über den vorhandenen Niederspannungsanschluss versorgen. Sobald jedoch mehrere Schnelllader zusammenkommen, reißt die Anschlussleistung die Grenze der Niederspannung. In der Regel ab einer Anschlussleistung um 150 kW wird ein eigener Mittelspannungsanschluss erforderlich, häufig mit eigener Trafostation. Damit beginnt ein deutlich aufwendigerer Prozess.
Am Anfang steht das Netzanschlussbegehren beim zuständigen Anschlussnetzbetreiber. Es folgt die Netzverträglichkeitsprüfung: Der Netzbetreiber berechnet, ob das bestehende Netz die zusätzliche Leistung aufnehmen kann oder ob Leitungen, Schaltanlagen und Transformatoren verstärkt werden müssen. Allein diese Prüfung dauert je nach Region und Netzauslastung mehrere Wochen bis Monate.
Verzögerungen entstehen oft durch Nachforderungen. Fehlende Datenblätter der Ladehardware, unklare Schutzkonzepte oder ein unvollständiges Einliniendiagramm führen zu Rückfragen, die den Zeitplan Runde um Runde verlängern. Wer die Unterlagen vollständig und normgerecht einreicht, spart hier die meiste Zeit.
Auch die Investition ist relevant: Die Trafostation wird in dieser Leistungsklasse üblicherweise vom Anschlussnehmer gestellt und kann laut Marktangaben bis zu 80.000 Euro kosten. Fläche für die Station, Kabelwege und die Eigentumsgrenze am Netzanschluss müssen früh geklärt sein. Diese Punkte lassen sich nicht nachträglich beschleunigen, sondern nur durch saubere Vorplanung.
54 Prozent bei DC: Warum HPC häufiger scheitert als AC
Die EHI-Erhebung macht den Unterschied zwischen den Ladetechnologien in Zahlen sichtbar. Von den für 2025 geplanten Ladepunkten wurden bei AC 87 Prozent tatsächlich realisiert. Bei DC-Ladern waren es nur 54 Prozent, bei HPC-Anlagen 66 Prozent. Je höher die Ladeleistung, desto häufiger scheitert oder verzögert sich das Projekt.
Der Grund ist technisch schlüssig. AC-Lader mit geringer Leistung lassen sich meist ohne Netzumbau anschließen. DC- und HPC-Ladepunkte hingegen benötigen den Sprung in die Mittelspannung, eine Netzverträglichkeitsprüfung und häufig eine eigene Trafostation. Jede dieser Stufen ist ein möglicher Stopppunkt, an dem das Vorhaben ins Stocken gerät.
Der Ausbaufokus zeigt in dieselbe Richtung. Im Handel setzt sich die Ladeinfrastruktur laut EHI aus rund 30 Prozent AC, 37 Prozent DC und 33 Prozent HPC zusammen. Ladepunktbetreiber gehen noch deutlicher in die Höhe: Bei ihnen entfallen 62 Prozent auf HPC. Der Markt bewegt sich also genau in die Leistungsklasse, die am Netzanschluss am störanfälligsten ist.
Für Gewerbebetriebe heißt das: Ein HPC-Projekt braucht mehr Puffer als ein AC-Vorhaben, sowohl beim Zeitplan als auch bei den Unterlagen. Wer die höhere Ausfallquote bei DC und HPC ignoriert, riskiert, dass die bereits bestellte Ladehardware monatelang ohne Netzanschluss auf dem Hof steht.
BDEW-Musterwortlaut vom 31. Januar 2026: 10 Werktage Rückmeldefrist
Bislang legte jeder Netzbetreiber seine technischen Anschlussbedingungen weitgehend selbst fest. Für Projekte über mehrere Netzgebiete bedeutete das jedes Mal neue Formulare, Fristen und Anforderungen. Genau hier setzt der neue Standard an: Der BDEW hat den Musterwortlaut TAB Mittelspannung in der Version 1 mit Datum vom 31. Januar 2026 vorgelegt.
Der Musterwortlaut vereinheitlicht technische Anforderungen und Abläufe beim Netzanschluss von Schnellladern, Batteriespeichern und Erzeugungsanlagen in der Mittelspannung. Zu den zentralen Festlegungen zählen eine Rückmeldefrist von zehn Werktagen, die der Netzbetreiber auf eine Anschlussanfrage einhalten soll, ein vorgeschriebener Leistungsschalter ab einer Transformator-Bemessungsleistung von 1 MVA sowie eine einheitliche Eigentumsgrenze am Kabelendverschluss.
Rechtlich stützt sich der Standard auf § 19 Abs. 1a EnWG. Danach müssen Netzbetreiber eigene Zusätze zu den Anschlussregeln begründen und die Begründung veröffentlichen, sofern diese über den BDEW-Musterwortlaut und die VDE-AR-N 4110 hinausgehen. Technische Grundlage ist die Anwendungsregel VDE-AR-N 4110, die laut BDEW derzeit überarbeitet wird; eine Veröffentlichung wird für 2026 erwartet.
Der BDEW bezeichnet die Fassung ausdrücklich als erste Version, die weiterentwickelt werden soll. Für die Praxis heißt das: Die Vorlaufzeiten verschwinden nicht über Nacht, aber der Prozess wird planbarer. Wer sich schon jetzt am Musterwortlaut orientiert, reicht Anträge strukturierter ein und reduziert das Risiko zeitraubender Nachforderungen.
Checkliste: Wie Sie die Vorlaufzeit auf den Netzanschluss verkürzen
Die gute Nachricht: Ein großer Teil der zehn Monate ist beeinflussbar. Entscheidend ist, den Netzanschluss vor der Standort- und Hardwareplanung anzustoßen, nicht danach. Wer das Netzanschlussbegehren erst nach der Bestellung der Ladesäulen stellt, verschenkt Wochen und bindet Kapital in Technik, die noch keinen Strom bekommt.
Prüfen Sie früh, ob Ihr Standort in der Niederspannung bleibt oder ab rund 150 kW Anschlussleistung in die Mittelspannung wechselt. Klären Sie parallel die Fläche für eine mögliche Trafostation, die Kabelwege und die Eigentumsgrenzen. Diese baulichen Fragen lassen sich später kaum beschleunigen und sind eine häufige Quelle für Verzögerungen.
Reichen Sie beim Anschlussnetzbetreiber vollständige Unterlagen ein: Datenblätter der Ladehardware, ein belastbares Schutzkonzept und ein sauberes Einliniendiagramm. Jede Nachforderung kostet eine komplette Bearbeitungsrunde. Orientieren Sie sich dabei am BDEW-Musterwortlaut TAB Mittelspannung und an der VDE-AR-N 4110, damit die Anforderungen von Beginn an erfüllt sind.
Kalkulieren Sie den Zeitplan realistisch mit dem EHI-Mittel von zehn Monaten und einem Puffer nach oben, gerade bei HPC. Halten Sie die zugesagte Rückmeldefrist von zehn Werktagen im Blick und haken Sie aktiv nach. MySmartEnergy unterstützt Gewerbebetriebe dabei als anbieterübergreifender Berater, die Anschlussfrage strukturiert und netzbetreiberunabhängig zu führen, damit der Netzanschluss 2026 nicht zum Flaschenhals des gesamten Projekts wird.
Häufige Fragen
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Energieberatung im Einzelfall. Angaben ohne Gewähr — trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.
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Nicht nur informieren — prüfen lassen.
Sprechen Sie mit MySmartEnergy, bevor Sie die Ladehardware bestellen: Wir prüfen neutral, welche Vorlaufzeit Ihr Mittelspannungsanschluss 2026 tatsächlich braucht.